Wer einmal lautlos durch die Luft geglitten ist, hoch über Feldern, Wäldern und dem glitzernden Band der Werra, weiß: Fliegen ist Leidenschaft und Lebenseinstellung. Es ist ein Traum, den schon Kinder träumen – und den der Eschweger Luftsportverein seit nunmehr 75 Jahren für Menschen jeden Alters erfahrbar macht. 2025 feiert der Verein sein Jubiläum und blickt dabei auf eine bewegte Geschichte zurück.
Das Ende des 2. Weltkriegs war auch das vorläufige Ende des Flugsports. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 untersagten die Besatzungsmächte zunächst alle zivilen fliegerischen Aktivitäten. Auf der Wasserkuppe in der Rhön trafen sich aber immer wieder ehemalige Segel- und Motorflieger, um an den Flugsport zu erinnern. Im Sommer 1950 kamen dort einige tausend Flugbegeisterte zusammen, die mit Billigung der Besatzungsmächte den Deutschen Aero Club (DAeC) gründeten, der noch im gleichen Jahr die Genehmigung für den Flugsport erhielt. Auf der Wasserkuppe mit dabei war auch eine kleine Gruppe ehemaliger Flieger aus Eschwege, die dann am 22. Oktober 1950 den Eschweger Luftsportverein gründeten, der sich dem DAeC anschloss. Nach der ersten Versammlung zählte der junge Verein bereits 78 Mitglieder.
1952 konnte der ELV sein erstes Fluggerät anschaffen – einen Schulgleiter vom Typ SG 38 mit einer speziellen Sitzverkleidung, dem „Boot“.
Da das Fliegen in Eschwege wegen der unmittelbaren Nähe zur Grenze der DDR nicht möglich war, kam der Schulgleiter im Juli 1952 mit Unterstützung der Flugvereinigung Fulda erstmals in Ziegenhain zum Einsatz. Da der ELV kein eigenes Fluggelände hatte, wurde der Gleiter an den folgenden Wochenenden mit einigem Aufwand auch nach Göttingen, Northeim und Hessisch Lichtenau transportiert.
In monatelanger Arbeit und mit viel handwerklichem Geschick bauten die Mitglieder in der Friedrich-Wilhelm-Schule im Winter 1952/53 eine Seilwinde und ein komplettes Segelflugzeug – das Grunau Baby. Das Flugzeug kann heute noch auf dem Stauffenbühl besichtigt werden und wird auf dem Tag der offenen Tür ausgestellt.
In den Folgejahren erweiterte der Verein seinen Flugzeugpark mit einer Rhönlerche und einer doppelsitzigen Ka 7, hatte aber immer noch kein eigenes Fluggelände. Die fliegerische Heimat war ab 1953 ein ehemaliger Feldflugplatz in Hessisch Lichtenau. Die Zahl der Flugschüler nahm zu und es entwickelte sich ein reger Flugbetrieb. Der sehnliche Wunsch, in Eschwege ein Stück Land für ein Segelfluggelände zu bekommen, erfüllte sich erst 1959. Vom Übungsgelände des Bundesgrenzschutz an der Blauen Kuppe wurde ein Teil zur Start- und Landebahn des Luftsportvereins umgestaltet.
Viele Wege und langes Durchhaltevermögen waren notwendig bis der Grenzschutz, die Stadt Eschwege und der damalige Pächter des Geländes ihre Zusagen gaben. Mit viel Arbeit und großem Einsatz wurden dann die Vorgaben des Regierungspräsidiums Kassel umgesetzt, das schließlich unter diversen Auflagen die Zulassung als Fluggelände erteilte: Am 1. Mai 1959 begann der reguläre Segelflugbetrieb auf dem Eschweger Stauffenbühl.
Damit die Flugzeuge nicht immer wieder vor dem Flugbetrieb auf- und nach dem Flugbetrieb abgerüstet werden mussten, bauten die ELV-Mitglieder mit tatkräftiger Unterstützung lokaler Handwerker die erste Segelflughalle. Sie wird auch heute noch genutzt.